Samstag/Sonntag, 23./24. Juli 2022

Grosses Wiesbachhorn über den Kaprun-Stauseen, das ist an diesem Wochenende unser Ziel. Nach anderthalb Stunden Fahrt sind wir im Antholzer Tal und wollen uns die Füsse vertreten. Im ersten Hotel wird abgewunken, leider nur für Hausgäste, aber im Camping bekommen wir einen Kaffee, aber kein Hörnchen dazu, die sind an diesem Morgen alle schon ausverkauft. Weiter über den Staller Sattel, lange Wartezeit vor dem Felbertauerntunnel, dann 4 km vor Zell am See hinauf nach Kaprun. Die Zufahrt zu den Stauseen geht in drei Etappen vor sich: Shuttlebus, Schrägbahnaufzug, wieder Shuttlebus, dann stehen wir auf der gewaltigen Staumauer. Nach der Überquerung geht es sofort steil los. 750 Höhenmeter müssen überwunden werden, durchwegs in steilem Gelände dem Zickzack des Steiges folgend und teils mit Stahlseilen versichert hinauf zur Heinrich-Schwaiger-Hütte auf 2.802 m. Die Hütte ist ein Adlerhorst hoch über den Stauseen mit gutem Einblick in die Gletscher ringsumher. Sie ist gut besucht. Das Essen ist gut, die Bewirtung freundlich, einziger Wermutstropfen sind die Trocken-Klo’s. Sie stinken fürchterlich. Nachdem wir die Nacht im Lager (mein Nachbar ist Holzarbeiter) gut überstanden haben, sitzen wir beim Frühstück und freuen uns auf den Aufstieg.

Wie wir gestern erfahren haben, brauchen wir für den Berg keinen Pickel und kein Steigeisen, nur Helm und Gurt für den Klettersteig gleich am Anfang. Über den steilen Steig und Felsstufen arbeiten wir uns nach oben, erreichen den Fochezkopf und stehen bald vor dem Kaindlgrat, den “Biancograt der Ostalpen”, der sich aber als gemütlicher Buckel mit einem Rest von Firngrat entpuppt. Anschließend geht es noch einmal recht steil zur Sache. Vorsichtig in Serpentinen über Steig und Felsen steigend kommen wir auf den Gipfel. Die vielversprechende Rundsicht wird vom Nebel eingebremst, aber auch so hat man einen guten Überblick über die Berg- und Gletscherwelt. Handschuhe und Mütze sind trotz der 3.500 m Höhe nicht notwendig, aber es ist windig, und man verträgt leicht eine dickere Jacke. Nach einer angemessenen Rast, Fotos und Rundschau steigen wir wieder ab.

Viele Gipfelaspiranten kommen uns entgegen, manche ausgerüstet wie von einer Hochtour gewohnt, andere gerade mit Profilpatschen, kurzen Hosen und T-Shirt.

Zurück auf der Schwaiger-Hütte bestellen wir erst mal Getränke, etwas zum Essen und strecken die Füsse unter den Tisch. Dabei beobachten wir die Wasserfälle, die vom Gletscher herunter fliessen und denken mit Bedauern an unsere Nachkommen, die diesen Gletscher wohl nicht mehr erleben dürfen.

Der Abstieg zum Stausee mit kompletter Hochtourenausrüstung ist ermüdend, aber durch die abwechslungsreiche Aussicht nicht langweilig. Der Shuttle und Schrägaufzug bringt uns hinunter zum Kesselfallhaus, wo die Autos geparkt sind. Wir wechseln das Outfit, schlüpfen in bequeme Schuhe und fahren heim, mit kurzer Unterbrechung zum Pizza essen.

Wetter: angenehm kühl, windig, neblig

Teilnehmer: Evelyne, Erika, Petra, Johanna, Gabi, Fabian, Richard

Tourenleiter: Armin