Samstag/Sonntag, 20./21. August 2022

Zäh zieht sich die Fahrt über den Vinschgau dahin. Die Touristen haben es nicht eilig, aber das Wetter ist schön, und wir freuen uns auf die Hochtour in den Ötztaler Alpen. Am Parkplatz in Melag schultern wir den vollbepackten Rucksack und ziehen zuerst über einen breiten Weg in Richtung Melager Alm und dann in Serpentinen hinauf zur urigen Weisskugelhütte. Einzelne Tropfen künden schon das Wetter für den Abend an. Der Blick auf die Gletscher der Weisskugel und die Langtauferer Eiswände ist ernüchternd. Seit dem letzten Besuch haben sie viel an Masse eingebüsst, überall treten die Schotterhalden zum Vorschein. Das Schmutziggrau des Eises hat auch nicht mehr viel mit dem leuchtend weissen Firn auf den Tourismusprospekten gemeinsam. Im Talschluß haben die Wolken dicht gemacht, aber vom Tal her erzeugen die letzten Sonnenstrahlen eine wunderschöne Stimmung und erlauben uns einige Fotos mit Regenbogen.

Wir lassen uns das Abendessen schmecken und steigen über eine schmale Leiter in unser Lager hinauf, das wir fast für uns allein haben. Über Nacht regnet es, aber die Wettervorhersage für Sonntag ist gut.

Um sechs Uhr wird es im Lager lebendig. Toilette, Wäsche, Frühstück, und um sieben stehen wir abmarschbereit vor der Hütte unter einem wolkenlosen Himmel. Auf einer gut markierten Route queren wir ins Falgintal und steiler durch eine Rinne zum Falginferner. Über große Blöcke suchen wir den einfachsten Weg und nach einem steilen Hang stehen wir auf dem Westgrat. In leichter Kletterei geht es über den Grat aufwärts und dann fast eben zum Gipfelkreuz. Grosse Pause. Der nächtliche Niederschlag hat den Gepatschferner in einige Zentimeter herrlich weissen Schnee gekleidet. Die klare (und recht frische) Luft sorgt für ein Riesenpanorama. Nach einer längeren Rast seilen wir uns an und steigen über den spaltenreichen Ferner talwärts. Es ist für die Höhe noch immer zu warm. Je tiefer wir kommen, desto größer werden die Rinnsale und Bäche, die über den Gletscher laufen, bis zum Wasserfall, der von den Eiswänden ins Langtauferer Tal fällt. Am Richterweg geht es noch einmal steil und drahtseilversichert nach unten, dann folgt die lange Querung zur Hütte. Hier stehen Kuchen, Kaiserschmarrn und Getränke auf dem Programm. Anschließend steigen wir über den Melager Höhenweg talwärts. Heimwärts findet sich noch eine Pizzeria, in der wir es uns schmecken lassen.

Die Überschreitung der Weisseespitze bei guten Verhältnissen, herrlichem Wetter und klarer Sicht ist ein Traum. Einziger Wermutstropfen ist die Erkenntnis, wie schnell der Rückgang der Gletscher erfolgt.

Teilnehmer: Julia, Evelyne, Gabi, Stephan, Michael, Lorenz, Armin

Wetter: Samstag Abend Niederschlag, Sonntag herrlich frisch

Tourenleiter: Armin