Samstag/Sonntag, 9./10. August 2025

Aufstieg über die Vedretta Orientale del Carè Alto und den Ostgrat (Cerana-Route), Abstieg über den Nordgrat und die Vedretta di Lares.

Schon der Zustieg zur Carè Alto-Hütte mit 1.200 Höhenmetern verlangt einiges an Kondition: steil, schweißtreibend und bei sommerlicher Hitze besonders fordernd. Kaum angekommen, führt unser erster Weg direkt zur Theke – Durst geht vor. Die Hütte ist voll belegt, das Abendessen erfolgt in zwei Schichten. Die Nacht im 10-Betten-Lager ist laut und unruhig, wie es in solchen Gemeinschaftsunterkünften üblich ist. Bereits vor vier Uhr beginnt die erste Gruppe mit dem Packen – Rucksackrascheln, Materialsortieren, Stimmen. Wir – Gabi, Sara und ich – gönnen uns noch eine Runde Schlaf und frühstücken um halb sechs. Die Rucksäcke sind bereits am Vorabend gepackt, und so brechen wir kurz vor sechs Uhr auf.

Der Weg führt zunächst über einen gut angelegten Steig, dann zunehmend über große Granitblöcke. Wir passieren eine Kanone aus dem Ersten Weltkrieg und erreichen schließlich den steiler werdenden Gletscher, der zum Einstieg der Cerana-Route führt. Die Gruppen, die vor uns gestartet sind, warten noch am Einstieg – wir schließen auf und steigen schließlich ein.

Zunächst geht es durch leichtes Blockgelände, dann folgt die steile Platte mit breiten, schrägen Rissen (III. Schwierigkeitsgrad), die uns auf den Grat bringt. Die weitere Kletterei ist abwechslungsreich, technisch wenig schwierig, aber stellenweise ausgesetzt. Immer wieder müssen wir an Standplätzen warten. Mit gemischten Gefühlen beobachten wir einen Rettungshubschrauber, der eine Seilschaft aus dem Grat evakuiert – ein Sturz, wie wir später erfahren, glücklicherweise glimpflich verlaufen.

Kurz vor dem Gipfel holen wir die Gruppe ein, die bereits um vier Uhr aufgestanden ist. Es entstehen nette Gespräche, wir genießen die Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Schließlich stehen wir unter dem Gipfelkreuz – gemeinsam mit etwa 15 weiteren Bergsteigern. Die Aussicht ist überwältigend, und da wir länger bleiben, haben wir den Gipfel bald für uns allein. Gipfelfoto, Jause, viel trinken – sogar hier auf 3.400 m ist ein T-Shirt ausreichend.

Der Abstieg über den Nordgrat verlangt erneut Konzentration: Blockgelände, eine ausgesetzte Passage und vier Abseilstellen bringen uns hinunter auf den Lares-Gletscher. Die Wärme lässt das Eis schmelzen, unter der Oberfläche gurgelt es hörbar. Der lange Abstieg führt uns am Croz della Stria vorbei zurück zur Hütte – erster Gang: Getränke bestellen.

Nach einer ausgiebigen Rast machen wir uns schließlich auf den Weg ins Tal.

Es war eine Tour, die alles bietet – alpine Herausforderung, landschaftliche Schönheit und intensive Bergerlebnisse. Der Carè Alto ist kein Spaziergang, aber jede Schweißperle wert.